Lakonischer Witz, feister Groove
Das jüngste Album von Simon Hari, alias King Pepe, ist verspielt, verschroben und auch tief ernst. Seine Daheim-Entstehung hört man ihm überhaupt nicht an.

Keinen Synthi-Piep lang käme der Verdacht auf, dass to hell with ewigkeit wie so viele andere Alben der letzten Monate ein ferngesteuertes Lockdown-Opus ist. Im Gegenteil, die Rhythmen fahren ins Bein wie der Rote Pfeil und die lakonischen Gesänge von himself, dem King Pepe, sind kein bisschen weniger lakonisch, melancholisch und träf geraten als diejenigen auf seinen früheren Werken. Das Album entstand praktisch ganz im Distance-Recording-Verfahren. «Also Spuren aufnehmen und einander schicken und wieder zurückschicken etc.», schreibt Simon Hari, die fleischliche Manifestation der exzentrischen Musenfigur King Pepe, per E-Mail. «Später wäre dann der gemeinsame Gang ins Studio möglich gewesen, aber wir fanden die Distance-Aufnahmen toll und sagten: Komm, das machen wir jetzt so fertig!» Zuvor hätten die Abläufe mehr Zeit beansprucht. «Normalerweise würde mä im Studio sagen: Hei, lass uns dieses Chörli noch mal anders probieren, so chli cheesy, so chli abglöschter oder was weiss ich. Hier erfolgte diese Rückmeldung dann per Mail oder Telefon, und es dauerte halt wieder zehn Tage, bis eine neue Version vorhanden war.»
Ironischerweise hatte Hari sein letztes Album Karma OK ganz im Computer zusammengebastelt, um es danach mit dem Co-Produzenten Rico Baumann in mühsamer Kleinarbeit «zum Leben zu erwecken». Diesmal waren nebst Baumann (Schlagzeug, Tasten) auch Sibill Urweider (Tasten, Stimme), Jeremias Keller (Bass, Stimme), Giulin Stäubli (Drums) und Tontechniker Sander Wartmann zugegen, allerdings eben in ihren «jeweiligen Daheims» (wie es auf dem von Haris neunjährigem Sohn gezeichneten Cover heisst). Hari selber hat zusätzlich zu seinen oft lapidaren, aber mit allerhand Doppel- und Triple-Böden gespickten berndeutschen Texten Gitarre, Klavier, Trompete und Piccolo beigesteuert. «Ich fand es eindrücklich», berichtet er, «wie easy bei echt gespielter Musik Leben hineinkommt. Da kriegst du gratis das volle Leben. Durch all die Veler, die komischen Sachen! Das ist schön! Selbst wenn es nicht im selben Raum aufgenommen wird!»
To hell with ewigkeit beginnt mit einem Knüller, nämlich dem Titelstück. Da blubbert und sirrt der Synthi fast wie in den Achtzigerjahren, Perkussion und Drums galoppieren daher wie Pferde. Derweil beklagt King Pepe sein tannhäuserhaftes Schicksal: Umgeben von ätherisch tanzenden Engeln, die ständig nur doof lächeln, sitzt er im Himmel und langweilt sich tödlich. Das Neonlicht blendet endlos und die Engelsmusik kommt ausschliesslich in C-Dur daher. Mit seinem psychedelisch variierten Giorgio-Moroder-Groove gemahnt auch das sardonische Geit scho an frühere Epochen und schreit förmlich nach einer elfminütigen «Extended Disco Mix»-Maxi-Single. Hei Mond ist eine fernwehhafte Ode an den kränkelnden Himmelskörper: «Mier geits mängisch äänlich, nimm’s bitte nid so schwär.» Fingiguet ist eine minimalistische Hymne ans allgemeine «Gutfinden» und Stoubsuger ein träumerisch gecroontes Liebeslied mit fulminanter Klimax. Verspielt, vielseitig, ironisch, ein bisschen verschroben, aber auch von tiefem Ernst beseelt – grandios.
king pepe & the queens,to hell with ewigkeit, Big Money Records