Ein Arbeitsbuch setzt auf die Magie der Musik
Das «Saxophone Workbook» von Nicole Johänntgen bietet farbenreiche Stücke und hält sich bei methodischen Anweisungen eher zurück.

Dass man Bühne, Studio, Kompositionsatelier, Radiomoderation, Lehrtätigkeit usw. mit Leichtigkeit verbinden kann, illustriert die saarländische Saxofonistin Nicole Johänntgen mit Wohnsitz in Zürich auf eindrückliche Weise auf ihrer Website. Ihre authentische, unbefangene und inspirierte Musikerpersönlichkeit zeigt sich auch im ersten Band ihres Saxophone Workbooks. Mit 39 Songs mäandriert sie in moderater Weise durch verschiedene musikalische Landschaften des Jazz und Pop, in Anlehnung an weitere Stilrichtungen.
Das farbenreiche Arbeitspaket beginnt langsamen Schrittes, nimmt jedoch schon nach dem dritten Stück Sound of a Dream in geraden, flotten Achteln ziemlich Fahrt auf: Dickmaulrüssler wird Staccato gespielt und bringt mit Sechzehntelfiguren und grossen Intervallsprüngen durchaus reizvolle, aber auch anspruchsvolle Hürden ins Spiel, die über drei Seiten in variierten Abschnitten vertieft gemeistert werden können. Für Fortgeschrittene ist das leichte Kost – Anfängerinnen und Anfänger müssen vielleicht eher mit dem nachfolgenden Backfisch Song Vorlieb nehmen. Dieser wurde in gemütlichem Tempo auf der Basis eines Shuffle-Beats zubereitet, mit einem knusprigen «Bluesteig» ummantelt und mit ein paar pikanten Vorschlägen verfeinert. Vielen Schülerinnen und Schülern dürfte das – wie auch weitere Songs der Sammlung – ein Ohrenschmaus sein!
Für alle Stücke gibt es eine Play-along-Version, die das Lernen zu Hause unterstützt. Dabei spielt das Akkordeon die Melodie über eine subtile rhythmische Begleitung. Auch die eingefügten kurzen Übungshinweise und Tipps für tiefe Töne, Intonation, Sound und Haltung sind für den Hausgebrauch von Nutzen. An dieser Stelle wird sich vielleicht der eine oder andere Leser etwas mehr Vertiefung der methodischen Schritte in Wort, Notation und Bild wünschen. Der Schwerpunkt dieses Arbeitsbuchs scheint jedoch im abschliessenden Motto verankert: «Music is magic!» So lautet jedenfalls der Titel zur letzten «Hausaufgabe», die zur Komposition eines eigenen Lieds auf einer leeren Seite ermuntert. Ob dieses Zauberhafte dem Lernenden auch so leicht zugänglich ist wie der Autorin, bleibt offen. Vielleicht ist es eben tatsächlich so, dass detaillierte Anweisungen in gedrucktem Wort und letztlich auch die gesprochene Sprache – sei sie auch noch so reich an Bildern – die Neugier und die sprudelnde Kreativität eher dämpfen. Stattdessen können Tonschöpfungen aus der Feder eines Lehrenden möglicherweise viel eher unmittelbar Gefühle wecken, die ein ausdrucksvolles Instrumentalspiel fördern und die Wirkung des Geheimnisvollen entfalten – erst recht, wenn diese humorvoll, groovig und warmherzig daherkommen.
Ein Arbeitsheft ist eine Begleitung für die «unterrichtsferne» Zeit. Mit dem vorliegende Workbook geht man ohne Zweifel mit Freude in den nächsten Unterricht, und manch ein junger Schüler wird stolz sein, dass seine Saxofonlehrerin die Songs selber komponiert hat und noch dazu eine erfolgreiche, «coole» Konzertmusikerin ist.
Nicole Johänntgen: Saxophone Workbook Vol. 1, 39 songs with playbacks for Eb, Bb and C instruments, PDF- und MP3-Dateien, Fr. 42.00, Zürich 2020, https://www.nicolejohaenntgen.com/blog/