Volksmusikalische Tänze

Roland Fink hat Stücke aus der Sammlung Hanny Christen aus der Gegen um Avenches und um Davos für variables dreistimmiges Ensemble bearbeitet.

Hôtel de ville in Avenches, 1899. Foto: Max van Berchem (1863–1921), Schweizerische Nationalbibliothek

Die Schweizer Volksmusik-Sammlung aus dem Nachlass von Hanny Christen wurde 2002 als zehnbändige Anthologie im Mülirad-Verlag Altdorf herausgegeben. Das Lebenswerk der 1976 verstorbenen Volkskundlerin und Sammlerin erfuhr dank des Einsatzes von Fabian Müller und der Gesellschaft für die Volksmusik in der Schweiz (GVS) eine späte Würdigung. Heute ist diese Gesamtausgabe, die über 10 000 vergessene Melodien und Tänze aus fast allen Regionen des Landes enthält, eine wertvolle Quelle für unsere traditionelle Volksmusik. Die zehn Bände können beim Mülirad-Verlag auch als Download erworben werden.

Aus der Sammlung Hanny Christen haben seither verschiedene Autoren einzelne Stücke für mehrstimmige Ensembles arrangiert. Die meisten dieser Ausgaben sind ebenfalls im Mülirad-Verlag erschienen, so auch die Musizierhefte Flums, Säntis und Ticino von Roland Fink. Der vielseitige Komponist, Chorleiter und Arrangeur aus Alten ZH legt nun zwei weitere Hefte nach: Dances d’Avenches und Davoser Tänze, diesmal im Eigenverlag.

Die Arrangements sind dreistimmig, als Partitur gedruckt für zwei Melodieinstrumente und Gitarre. Eine optionale Bassstimme sowie transponierende Bläserstimmen liefert der Autor auf Anfrage. Die erste Stimme ist konzipiert für Altblockflöte, kann aber auch von Querflöte, Violine, Akkordeon oder Klarinette übernommen werden. Für die von ihm selbst komponierte zweite Stimme schlägt Roland Fink vor: Violine, Akkordeon oder Klarinette, je nach Tonumfang der Stücke auch Oboe oder Querflöte.

Die Tonarten der Vorlagen aus der Mülirad-Anthologie wurden diesem Instrumentarium entsprechend transponiert, meist in die Subdominante (eine Quarte nach oben). Das kommt der Altblockflöte in der Oberstimme entgegen. Für die Geige gehen einzelne Stücke allerdings bis in die fünfte Lage. Die zweiten Stimmen klingen gut, verlangen aber auch nach versierten Ausführenden. Im Ensemble-Unterricht mit Jugendlichen werden diese Arrangements viel Freude bereiten, fordern den Teilnehmenden aber einiges an technischer Fertigkeit ab.

Die Sammlung Hanny Christen ist nach Regionen der Schweiz aufgeteilt. Roland Fink gibt den einzelnen Stücken, sofern sie nicht bereits einen individuellen Titel haben, eigene regionale Namen: Parsenner Schottisch, Pischa-Polka, Brämabüel-Mazurka etc. Das ist zwar nicht «Urtext», erleichtert aber die Navigation auf der musikalischen Reise durch die Schweiz, zu welcher auch die ansprechenden Illustrationen von Alexandra Fink-Thali einladen.

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Dances d’Avenches, Schweizer Volksmusik aus dem 19. und 20. Jahrhundert, gesammelt von Hanny Christen, für zwei Melodie-Instrumente und Gitarre mit optionaler Bassstimme gesetzt von Roland Fink, Fr. 22.00, www.rolandfinksingers.ch

Id. Davoser Tänze

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