Arien neu serviert
Die Reihe OperAria umfasst nun auch einen Repertoireband für lyrische Mezzosoprane, mit dem geschätzten Zusatzmaterial.

Als Vocalcoach versteht der Verlag Breitkopf und Härtel seine neue, nach Stimmfächern geordnete Opernarienausgabe. Es sind in der Reihe OperAria bereits vier Sopran-, drei Bass-, drei Baritonbände und ein Altband erschienen. Die vorliegende Ausgabe richtet sich an lyrische Mezzosoprane – unterteilt in leicht-lyrisch und schwer-lyrisch – und bietet Hilfestellung bei der Auswahl passenden Repertoires. In Vorbereitung ist der Band für dramatische Mezzi.
Wie schon an dieser Stelle am Beispiel der Sopranbände besprochen (SMZ 11/2017, S. 25), präsentiert auch diese Sammlung eine moderne, systematische Auswahl von Arien, die den Anforderungen heutiger Theaterpraxis entsprechen. Eine der schwierigsten Aufgaben eines jeden Gesangslehrers ist die Auswahl des richtigen Repertoires zum richtigen Zeitpunkt, und hier bietet der Verlag Hand für einen gesunden und sinnvollen Stimmaufbau und gibt Orientierungshilfe bei der Wahl von Vorsing- und Prüfungsarien.
Das Repertoire wurde wie in den Bass- und Sopranarienalben von Sängern und erfahrenen Lehrern ausgewählt und sortiert. Dem Sänger steht ein Phonetikassistent mit von Muttersprachlern gesprochenen Texten plus deren deutsche und englische Übersetzung als Download zur Verfügung. Ausserdem sind am Schluss des Heftes als Studienhilfe Einzelkommentare zu den Arien mit Informationen zu Komponist, Inhalt der Oper und Handlungskontext, in den die Arie eingebettet ist, sowie methodische und gesangtechnische Hinweise zu jedem Stück ergänzt.
Ich persönlich liebe es, wenn, wie hier, das Inhaltsverzeichnis benutzerfreundlich ganz am Anfang des Hefts zu finden ist und erst danach etwaige Vorworte, Kommentare, Übersetzungen oder methodische Hinweise folgen.
Barockes Repertoire wird ganz ausgeklammert, die Auswahl reicht von Mozarts Cherubino bis zum straussschen Komponisten. Neben derlei bekannten Stücken finden sich aber auch Raritäten und echte Trouvaillen: Neidische Seitenblicke auf die Soprankolleginnen werden überflüssig, wenn sie die Arie der Nelly aus Bellinis Adelson e Salvini degustieren – man weiss nicht ganz genau wo Bellini da bei sich selber abgeschrieben hat, er hat es jedenfalls sehr, sehr gut gemacht. Ein wenig kleinformatiger vielleicht als die Sopranarie, an die man sich plötzlich erinnert fühlt, ist die hier vorliegende Version. Auch Meyerbeers Arie des Urbain fügt eine erfrischend ungehörte Koloraturarie den immer gleichen Rossini-Heroinen hinzu, und dass das tiefere Mezzofach mit Rossinis Tancredi neben Rosina und Cenerentola bedacht wird, ist ebenfalls sehr erfreulich. Um nur drei Beispiele zu nennen.
OperAria, Das Repertoire für alle Stimmgattungen, Mezzosopran Band 1: lyrisch, hg. von Peter Anton Ling, Mitarbeit Marina Sandel, EB 8871, € 32.90, Breitkopf & Härtel, Wiesbaden