Der Pommer
Barbara Neumeier widmet dem Vorläuferinstrument der Oboe erstmals eine Monografie mit zahlreichen Bild- und Textquellen.

Es gibt allerlei Publikationen über die Violine, über Flöte und Horn, und die dem Klavier gewidmete Literatur ist vielfältig. Im deutschen Sprachraum aber fehlte eine Monografie über Pommer und Schalmei, den Vorläufern der Barockoboe. Barbara Neumeier hat diese Lücke mit ihrer Dissertation gefüllt und damit einen respektablen Beitrag zur Organologie geleistet.
Zur Bewältigung ihrer Aufgabe hat die Autorin vorerst alle zur Verfügung stehenden direkten und indirekten Quellen in einer umfassenden Materialsammlung zusammengestellt. Eindrücklich ist dabei der auf den Seiten 32–37 tabellarisch erfasste Bestand von rund fünfzig Pommerinstrumenten in europäischen Museen, unter ihnen die Sammlung alter Musikinstrumente in Berlin mit den prachtvollen Pommersätzen, unterschiedlich langen Doppelrohrblattinstrumenten, aus der Wenzelskirche in Naumburg und der Marienkirche in Danzig.
Unter den Hilfsquellen führt Barbara Neumeier musiktheoretische Schriften von Sebastian Virdung, Martin Agricola, Michael Praetorius und Marin Mersenne aus dem 16. und 17. Jahrhundert an, Bücher, die in Illustrationen ausnahmslos auf den Unterschied zwischen Schalmei mit blossen Grifflöchern und Pommer mit einer in einer Fontanelle geschützten Klappe hinweisen. Die mittlerweile etablierten Datenbanken von musikbezogenen Bildquellen – Euterpe in Paris und RIdIM (Répertoire International d’Iconographie Musicale) haben der Organologin zweifellos die Sucharbeit nach Abbildungen dieser frühen Oboeninstrumente erleichtert, wie es die schönen und informativen Illustrationen vermuten lassen.
Verblüffend aber sind die literarischen Zeugnisse, die von Chrétien de Troyes‘ Erec et Enide (1170) bis zu Johann Wolfgang Goethes Dichtung und Wahrheit aus dem frühen 19. Jahrhundert ausgebreitet werden. Goethe erwähnte bei der Schilderung des historischen Pfeifergerichts in Frankfurt a. M. «drei Pfeifer deren einer eine alte Schalmei, der andere einen Bass, der dritte einen Pommer oder Hoboe bläst», als diese Blasinstrumente bereits der modernen Oboe Platz gemacht hatten.
Das Ziel, das sich Barbara Neumeier steckte, nämlich ein historisches Holzblasinstrument ins Zentrum zu rücken und den Pommer als Teil bestimmter Ensembles und Besetzungsformen in Stadtpfeiferei und Hofkapellen darzustellen, hat sie mit einem reichhaltigen, über 400 Seiten umfassenden Band durchaus erreicht.
Barbara Neumeier, Der Pommer. Bauweise, Kontext, Repertoire, Saarbrücker Studien zur Musikwissenschaft, Bd. 17, 436 S., € 68.00, Studiopunkt Verlag, Sinzig 2015, ISBN 978-3-89564-159-6