Kecker Geist in der Einöde

Die dritte Ausgabe des Fröhlich-Tages lockte am Wochenende vom 13. und 14. April viele Besucherinnen und Besucher nach Brugg.

Friedrich Theodor Fröhlich (1803–1836). Bild: Wikimedia

Die Internationale Fröhlich-Gesellschaft Brugg, initiiert von der Sängerin Barbara Vigfusson, setzt sich seit 2016 für die Aufführung und Verbreitung der Musik des Aargauer Frühromantikers Friedrich Theodor Fröhlich (1803–1836) ein. Mittlerweile gibt es auch einen Fröhlich-Konzertchor Brugg, den der Kirchenmusiker Markus J. Frey leitet, und einen Kulturverein «Fröhlich-Konzerte Brugg».

Dass der Aargau den bedeutendsten Schweizer Frühromantiker hervorgebracht hat, ist spätestens seit der Dissertation des Winterthurer Gymnasiallehrers Pierre Sarbach von 1987 und seinen Fröhlich-Aufführungen mit dem Vokalensemble pro musica bekannt. Fröhlichs Missa wurde dann auch 1987 in der Reihe «Schweizerische Musikdenkmäler» publiziert, sie stellte sich aber peinlicherweise als Abschrift Fröhlichs einer Messe von Johann Gottlieb Naumann (1741–1801) aus dem Jahr 1794 heraus. Dabei gibt es bei Fröhlich selbst sehr viel zu entdecken: gut singbare Chor- und Vokalensemblewerke, einige Orchesterouvertüren, viele Lieder, Kammermusik und Klavierstücke – originelle Gebrauchsmusik im besten Sinne des Wortes. Der Nachlass befindet sich übrigens in der Universitätsbibliothek Basel.
 

Grossstädtisch ausgebildet in der Provinz

Seine musikalische Grundausbildung erhielt Fröhlich im Zürcher «Singinstitut» von Hans Georg Nägeli. Ursprünglich sollte er Jura studieren. Doch das Musikleben in Berlin stürmte regelrecht auf ihn ein: Er besuchte viele Konzerte und kam mit den besten Musikern der Zeit in Kontakt, u. a. mit Felix Mendelssohn Bartholdy und Friedrich Zelter von der Berliner Sing-Akademie. In diesem Umfeld erlebte Fröhlich 1829 auch Mendelssohns musikhistorisch bedeutende Wiederaufführung von Bachs Matthäuspassion mit.

Seine Passions-Cantate schrieb er kurz nach der Rückkehr aus Berlin und führte sie 1831 in Aarau auf – nicht mit Orchester, sondern mit Klavierbegleitung. Fröhlich war in eine musikalische Einöde zurückgekehrt. In Aarau gab es kein Orchester und an der Kantonsschule noch keinen geregelten Musikunterricht, mit dem er sich hätte eine Existenz aufbauen können. So gründete er seine eigene Singschule.

Die Texte für die Passions-Cantate, die auf den vier Evangelien beruhen, lieferte ihm sein Bruder, der reformierte Theologe Abraham Emanuel Fröhlich. Das Oratorium ist umfangreich, besteht aus 21 Nummern und hat nicht nur eine originelle Besetzung, Fröhlich «spielt» auch damit: gemischter Chor, Frauenchor und Männerchor singen im Wechsel, dazu kommen sechs Solisten und ein bläserreiches Orchester. Auffällig ist die eigenwillige und dennoch gut sangbare Melodieführung, harmonisch findet er immer wieder zu interessanten, eben frühromantischen Wendungen und Farben. Die Instrumentation ist überraschend gut.
 

Aufführung eines erstmals gedruckten Werks

In der Stadtkirche Brugg war Fröhlichs Oratorium nun unter der souveränen Leitung von Markus J. Frey zu erleben. Im beteiligten Fröhlich-Konzertchor Brugg war auch das ausgezeichnete Frauen-Vokalensemble Vocembalo eingegliedert, das Barbara Vigfusson, leitet. Das war deutlich zu hören in den gut intonierten, extrem hohen Sopranpartien. Insgesamt meisterten der Chor und das Orchester Chaarts dieses Werk mit frischem Schwung, guter Intonation und präzisen fugierten Einsätzen.

Dass an diesem Fröhlich-Projekt gute und für die Sache engagierte Musikerinnen und Musiker am Werk sind, zeigte auch der Sonntag. Das Lieder-Rezital mit der Sopranistin Muriel Schwarz und ihrer subtil auf sie eingespielten Pianistin Andrea Wiesli bettete Fröhlichs Lieder – darunter auch einige Schweizer Lieder im Dialekt – zwischen solche der Geschwister Fanny Hensel Mendelssohn und Felix Mendelssohn Bartholdy. Die biedermeierlichen, von Fröhlichs Humor und Lebensfreude zeugenden Stücke kamen einfühlsam und witzig zur Geltung.

Zudem nahm sich der Geiger Sebastian Bohren mit dem Stradivari-Quartett der Schweizer Erstaufführung des vom Amadeus-Verlag erstmals edierten Klavierquartetts d-Moll (1835) an; am Klavier war Benjamin Engeli. Sie spielten das Werk des Aargauer Frühromantikers nach Mozarts Klavierquartett Nr. 1 in g-Moll KV 478 und zeigten, dass es neben Mozart durchaus bestehen konnte. Mit ihrer Freude an Fröhlichs Klangsinn und keckem Geist steckten sie das Publikum an. Es wäre an der Zeit, diese lokal wie national bedeutsame Fröhlich-Initiative kulturpolitisch stärker zu fördern.
 

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